Wofür lebst du?
Anna Köck
Für das Aufatmen. Das Aufatmen im Schmerz, in der Beklemmung, in der Lust, im Staunen und in 1.000 anderen...
Wofür lebst du?
Anna Köck

Für das Aufatmen. Das Aufatmen im Schmerz, in der Beklemmung, in der Lust, im Staunen und in 1.000 anderen Situationen, wenn ich spüre, dass das Leben in mir sich entfaltet, dass alles so sein darf, wie es ist. Anna Köck Seelsorgerin bei der Caritas Wien

Weitere Statements finden Sie hier.

Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

Mag. Elisabeth Mayr

Ihre Ansprechpartnerin:

Mag. Elisabeth Mayr

Stephansplatz 6

1010 Wien

Tel.: +43 1 512 51 07 - 13

 

» Mail   |   Redaktion & Impressum

 


Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel
Von Chefredakteur Henning Klingen
Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel

Von Chefredakteur Henning Klingen

 

 

Vor fast fünf Jahren habe ich in einem Editorial schon einmal von meinem Großvater berichtet. Damals war er Anfang 90. Sein Leben war rhythmisiert von der Arbeit im Garten, vom Wechsel der Jahreszeiten, den Urlauben mit uns Enkeln, den Skat-Runden und häufiger werdenden Arztbesuchen. Vor zwei Jahren ist mein Großvater gestorben – mit 97 Jahren. Anm.: Dann kann etwas nicht stimmen ...

 

Warum erzähle ich Ihnen das zu Beginn einer Ausgabe zum Thema Zeit? Weil meine Großeltern ein biblisches Alter erreicht haben, meine Großmutter noch immer lebt, gewiss. Aber auch, weil die Besuche bei Ihnen, das Betreten Ihres Universums einem Akt des Aufstands gegen die verrinnende Zeit glichen: Denn meine Großeltern schienen nicht zu altern. Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen. Und selbst im Sterben rang mein Großvater dem Leben noch Tage, Stunden ab. Der Tod, so schien es, war für ihn nie eine Option. Er wählte stets das Leben – und die Zeit meinte es tatsächlich gut mit ihm, sie hat sich an ihn verschenkt.  

Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen.

 

Mich beeindruckt dieser Aufstand gegen die Zeit nach wie vor sehr. Denn es steckt nicht nur viel geerdete Lebenskraft darin, sondern auch ein ganz und gar unsentimentales Gottvertrauen: Gott wird das Seine dazu tun, es zum Guten wenden, wenn wir nur unseren Teil in der uns geschenkten Zeit vollbringen. Im Kleinen – der Familie, dem Garten, der Ehe – ebenso wie im Großen. Widerstand und Ergebung – auch hier gehen sie Hand in Hand.

 

Und noch etwas lehrten mich die Besuche bei meinen Großeltern: die Zeit als Geschenk zu begreifen, das man nicht ungenutzt verstreichen lassen darf, sondern welches man dankbar annimmt. Entsprechend blieb mir oft mein Klagen über einen vollen Terminkalender, über den gefühlten Zeitmangel im Hals stecken, sobald ich die Türschwelle zu meinen Großeltern überschritt. Beschämt darüber, dass ich offensichtlich noch nicht begriffen hatte, wie man sich der Zeit angemessen und stets mit einer Prise Humor widersetzt, wie man ihr Sinn und durch alle Irrungen und Wirrungen hindurch Leben abtrotzt.

Und so möchte ich – ganz Niederrheiner wie meine Großeltern – Ihnen mit ein paar Zeilen des niederrheinischen Dichters und Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch einen zeitsatten Advent und ein frohes Weihnachtsfest im Horizont der uns geschenkten Zeit wünschen:

 

Ich bin vergnügt erlöst befreit.

Gott nahm in seine Hände meine Zeit,

mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,

mein Triumphieren und Verzagen,

das Elend und die Zärtlichkeit.


Henning Klingen

 

Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl
Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl

Was ist schon endgültig?

 

Wieder einmal sinniere ich in meinem „Seitenschiff“ so vor mich hin: Was ist eigentlich im menschlichen Dasein endgültig? Eigentlich nur der Tod, mit dem jedes Leben auf Erden einmal endet. Daran können auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, Entdeckungen etc. etwas ändern. Sonst sind dem menschlichen Forschungsdrang keine Grenzen gesetzt. Ohne diesen würde sich unser Leben noch in der Steinzeit abspielen.

Wir sind dankbar für die Entwicklungen im Bereich der Naturwissenschaften, der Medizin, der Technik. Nur die Kirche tut sich – meist aus Machtgründen – bei neuen Sichtweisen immer schwer. Strafmaßnahmen sollen diese ver- oder behindern. Beispiele dafür gibt es genug – vom Mittelalter bis heute. Nur die Methoden änderten sich. Galileo Galilei drohte man noch mit der Inquisition und Hans Küng entzog man die kirchliche Lehrbefugnis.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich aber auch die Kirche für neue Sichtweisen geöffnet. Sie hat begonnen, sich mit den geänderten Lebensumständen der Menschen und deren gesellschaftlichem Umfeld auseinanderzusetzen. Neu zu überdenken erscheinen etwa das Amtsverständnis und die Stellung der Frau in der Kirche. Vieles ist noch immer ungelöst bzw. es zeichnen sich sogar wieder Rückschritte ab. Durch Nachdenk- und Redeverbot wird man aber die notwendigen Änderungen nicht verhindern können. Es ist nur zu hoffen, dass deren Akzeptanz durch die Kirche nicht so lange dauert wie die Rehabilitation von Galileo Galilei. Sie erfolgte 1992 nach fast 400 Jahren.

 

 

Prof. Ingeborg Schödl

 

Wir haben zu danken!

Gründung auf den Trümmern des Krieges

Im Jahr 1918 endete der Erste Weltkrieg. Sein Ende markierte zugleich eine tiefgreifende politische und gesellschaftliche Neuordnung Europas. Zugleich war es jenes Jahr, in dem in Wien die Gründung des Canisiuswerkes gleichsam auf den Trümmern des Krieges erfolgte.

 

  

 

 Fotograf: Kriegsvermessung 5.

Wir schreiben das Jahr 1918. Der Erste Weltkrieg tobt seit Jahren. Die anfängliche Kriegseuphorie ist inzwischen längst einer harten, entbehrungsreichen Realität gewichen: Armut, Elend und Not herrschen in Österreich. Der Winter 1917/18 ist besonders hart, es fehlt an Holz und Nahrung. Der Ruf nach Frieden wird lauter. Angeheizt durch den Kriegsaustritts Russlands infolge der Oktoberrevolution kam es im Jänner 1918 zum ersten Arbeiterstreik in Österreich: „Gebt uns den Frieden wieder oder wir legen die Arbeit nieder!“

 

1918 war Wien ein Brandherd. Der materiellen Not stand auch eine seelische gegenüber. Die Menschen litten unter den schlechten Lebensbedingungen. Auch für die religiösen Überzeugungen eine harte Probezeit: Die Theodizee-Frage – „Wie kann Gott so viel Elend zulassen?“ – wurde rege diskutiert. Dazu kam ein eklatanter Mangel an Priestern und Seelsorgern. Wie große Teile der Bevölkerung, so waren auch Priesterseminaristen und ausgebildete Theologen 1914 teils begeeistert in den Krieg gzogen, viele kehrten nicht zurück.

 

Personalmangel und seelsorgerische Not konstatierte auch der Direktor der Bürgerschule in Kaisermühlen, Josef Moser. Schnell war der Entschluss gefasst, aktiv gegen den Priestermangel vorzugehen. Als Bürgerschul-Direktor und Vorstand der Katholischen Lehrer in Österreich verfolgte er zunächst das Ziel, ein österreichweites katholisches Schulsekretariat zu gründen. Es sollte aber anders kommen.

 

Erste Vollversammlung

 

Mit der Unterstützung von Kardinal Gustav Piffl wurde am 31. Jänner 1918, mitten in der aufgeheizten Stimmung des Arbeiterstreiks, das Canisiuswerk gegründet. Der Zweck des Vereins wurde klar in den Gründungsstatuten benannt: Hauptzweck ist die geistige und materielle Förderung der Heranbildung katholischer Welt- und Ordenspriester. In zweiter Linie die Unterstützung katholischer Studenten, welche sich auf Laienberufe vorbereiten.

 

 

Kardinal Piffl wurde erster Präsident, Moser erster Direktor des Canisiuswerkes. Der Erfolg des Vereins – 1922 verzeichnete das Canisiuswerk bereits 40.000 Mitglieder und über 150 Priesterseminaristen – war vor allem ein Verdienst Mosers, der über ein ausgeprägtes Schreib- und PR-Talent verfügte. Aber auch der Gründungszeitpunkt 1918 trug zum schnellen Wachstums des Canisiuswerkes bei: Mit dem Ende der Donaumonarchie brach ein großer Teil des Priesternachwuchses weg (50 Prozent der Priester der Erzdiözese Wien stammten davor aus den Sudentengebieten). Auch hatte der Krieg die Reihen der Theologen und Kleriker stark dezimiert.

 

Diese Umstände sowie das herzhafte Engagement Josef Mosers halfen, den Gründungsgedanken des Canisiuswerkes nach Kriegsende zu verbreiten und die Bekanntheit des Vereins zu steigern. Bald konnten in Salzburg und Innsbruck erste Filialen gegründet werden, die Zahl der Priesterseminaristen wuchs beständig – ein gelungener Start.

 

Elisabeth Mayr

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Jänner/Februar 2018

Jetzt kostenloses Probeabo bestellen!

 

CANISIUSWERK

Zentrum für geistliche Berufe

Stephansplatz 6
1010 Wien

Telefon: +43 1 512 51 07 11
Fax: +43 1 512 51 07 - 12
E-Mail: office@canisius.at
Darstellung: