Wofür lebst du?
Florian Wegscheider
„O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! - Dieses zur Übertreibung tendierende Paradoxon...
Wofür lebst du?
Florian Wegscheider

„O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! - Dieses zur Übertreibung tendierende Paradoxon verdeutlich, was es für mich heißt, christlich zu leben: Gott hat so großartig an uns gehandelt, dass ich nicht anders können soll, als durch meine ganze Existenz diese Botschaft zu bezeugen. Florian Wegscheider Katholische Privatuniversität Linz

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Mag. Elisabeth Mayr

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Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018
von Chefredakteur Henning Klingen
Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018

von Chefredakteur Henning Klingen

Alt werden, jung bleiben

 

Was für ein Sommer! Abkühlung boten da nicht nur wohltemperierte Kirchen, sondern auch die „Salzburger Hochschulwochen“, die heuer mit dem Slogan „Smarte Sommerfrische“ warben. Auch wenn’s denkbar schwierig war: Gemeinsam mit fast 900 Teilnehmern versuchte ich auch heuer wieder, einen kühlen Kopf zu bewahren, zuzuhören und mitzudiskutieren. Ich erzähle Ihnen das, weil ich dabei zwei Phänomene beobachten konnte: zum einen zahlreiche gerade ältere Teilnehmer, die mit Hingabe diskutiert, kritisch nachgefragt, mitgedacht und damit im Geiste Jugendlichkeit bewiesen haben; zum anderen aber auch so manchen jugendlichen Teilnehmer, der sich gerade in religiösen Fragen und Debatten mit einer erstaunlichen Beharrlichkeit kritischen Anfragen an den Glauben verweigert hat.

Auch wenn dies nur verstreute Beobachtungen sind, so setzt sich bei mir doch schon seit Längerem ein Verdacht fest: Kann es sein, dass junge Gläubige von der Kirche gerade nicht Agilität und kritischen Geist erwarten, sondern Beständigkeit und vermeintliche Gewissheiten suchen? Ein Eindruck, den ich im Übrigen auch von mancher Gemeinschaft habe, die mit Feuereifer von Neuevangelisierung, Wahrheit, Gott und Erlösung spricht, sich aber zugleich jenem Feuer der Aufklärung entzieht, durch das der Glaube meines Erachtens gehen muss, will er nicht nur oberflächliche Zustimmung erheischen, sondern zur tiefen Überzeugung werden.

Jugend, das meint doch immer auch Zukunftsdrang und Rebellion. Wird sich dies auch bei der „Jugendsynode“ zeigen, die in Kürze in Rom stattfindet? Ist das vielleicht gar die Faszination, die von Papst Franziskus ausgeht: seine Jugendlichkeit, die die geistige Regsamkeit manch kirchlicher Jugend überstrahlt? Wenn es zutreffen soll, dass die Kirche jung ist, dann wird sie dies wohl nicht dadurch, dass sie sich zur Eventfabrik umgestaltet. Das machen andere besser, professioneller. Nein, wenn Kirche jung sein will, dann muss sie im Geiste jung bleiben. Das jedoch ist keine Frage des biologischen Alters ...


Henning Klingen

 

Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff
Kolumne vonDr. Georg Plank
Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff

Kolumne vonDr. Georg Plank

 

Das Rebenprinzip

 

Wer im Herbst pralle Trauben bewundert, weiß, wie viel Arbeit das ganze Jahr über notwendig war, damit jetzt Früchte geerntet werden können. Zur jeweils rechten Zeit mussten die richtigen Maßnahmen erledigt werden, sonst wären viele Blätter gewachsen, aber wenige Lebensmittel. Oft übersehen wird, dass es auch lange Perioden des Nichtstuns, des Gewährenlassens und des aufmerksamen Beobachtens gibt, in denen das eigentliche Wachstum einfach passiert bzw. geschenkt wird.

 

Im Sinne von Joh 15,2 gilt es daher auch in den Weingärten unserer pastoralen Handlungsfelder, dem Vorbild des guten Winzers zu folgen. Er rückt die Reben, die Frucht tragen, in den Mittelpunkt. Er reinigt sie, damit sie mehr Früchte bringen. Für mich bedeutet das mehr Möglichkeiten für heutige Menschen, zu erleben, was Menschen aller Kulturen (nicht nur Glaubens- oder Volksgenossen) vor 2.000 Jahren mit Jesus erlebten: Aufrichtung, Orientierung, Befreiung, Ermächtigung, Heilung, Gottesbeziehung und Sendung. Dieses „die fruchtbaren Reben reinigen“ korrespondiert mit dem Konzept inkrementeller Innovationen: Konzentriere dich auf das schon vorhandene Gute und investiere darin, es noch besser zu machen. Denn der Feind des Besseren ist oft nicht das Schlechte, sondern das Gute – eine bittere Erfahrung, die gerade große traditionelle Organisationen in Zeiten des Umbruchs machen.

 

Wir kennen aber auch den ersten Teil dieses Vorgangs: Der Weinstock muss von Reben befreit werden, die keine Frucht (mehr) bringen. Auch davor scheuen kluge Weinbauern nicht zurück.

 

 

Georg Plank

Pastoralinnovation

www.pastoralinnovation.at

Wir haben zu danken!

Was wir einander verdanken

Das Wörtchen Danke ist ein kulturübergreifendes Zauberwort, das die Tür zum Mitmenschen öffnet und so auch zum eigenen Wohlbefinden beiträgt – Gastkommentar von Thomas Schäfer-Elmayer

 

Danke – Dieses wunderbare Zauberwort hat seine zeitlose Bedeutung und Wirkung für Menschen in allen Kulturkreisen und Gegenden nie verloren. Dankbarkeit empfinden wir schon für das Glück, dieses Leben geschenkt bekommen zu haben, und für das Glück, das wir tagaus tagein haben, wenn wir selbst und auch alle anderen, die uns nahestehen, vor Schicksalsschlägen bewahrt werden, Erfolge erzielen, glücklich sind, Hindernisse überwinden, das Leben meistern usw. „Danke, lieber Gott!“, sagen Gläubige auf der ganzen Welt in solchen Fällen. Andere danken dem Schicksal. Die Menschen sind sich sehr bewusst, dass sie ihr Wohl und Wehe höheren Mächten verdanken.

 

Aber auch im ganz alltäglichen Leben signalisiert das Wort danke Anerkennung, Respekt, eventuell sogar eine gewisse Zuneigung. Wer kleine Kinder erzogen hat, weiß allerdings, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich Menschen bedanken oder um etwas bitten, indem sie danke oder bitte sagen. Tagtäglich müssen Eltern und andere Erziehungsberechtigte diese beiden Worte unzählige Male einfordern. Von selbst kommen Kinder nicht auf die Idee, dass diese Worte so wichtig für unser freundschaftliches, friktionsarmes Zusammenleben sind. Sie schaffen Entspannung und werden außerdem erwartet. Fehlen sie, kann dies zu Enttäuschung, Demotivation, Verärgerung ja sogar zu nachhaltiger Verstimmung führen.

 

Danke und bitte sind zwei der vielen Elemente, die im Umgang mit unseren Mitmenschen positive Botschaften senden und damit wesentlich zu unserer Lebensqualität beitragen. Sie werden zu den internationalen Umgangsformen gezählt, weil sie überall auf der Welt üblich sind und erwartet werden. Internationale Umgangsformen haben sich genauso als Kommunikationsformen entwickelt wie die internationale Sprache, als die man heute wohl das Englische bezeichnen kann.

 

Für uns Europäer ist es einerseits ein großer Vorteil, dass diese internationale Etikette überwiegend auf unseren Sitten und Gebräuchen beruht. Zum Bumerang kann dies allerdings werden, wenn wir unsere eigenen Benimmregeln nicht beherrschen, weil dies von Menschen aus anderen Kulturkreisen natürlich zu Recht von uns erwartet wird. Aber selbst, wenn unsereins einmal in so ein Fettnäpfchen tappt oder sich gar so blamiert, dass er „sein Gesicht verliert“, ist es vielleicht noch möglich, einige Pluspunkte zu sammeln, wenn man wenigstens nie vergisst, sich zu bedanken.

 

 

 

Thomas Schäfer-Elmayer

 

 

 

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Jänner/Februar 2018

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