Wofür lebst du?
Klaus Schwertner; Caritas Wien 2014
Klaus Schwertner
Für ein besseres Miteinander, für mehr Verständnis und Aufmerksamkeit gerade für Menschen, die unsere Hilfe...
Wofür lebst du?
Klaus Schwertner; Caritas Wien 2014
Klaus Schwertner

Für ein besseres Miteinander, für mehr Verständnis und Aufmerksamkeit gerade für Menschen, die unsere Hilfe brauchen.“ Klaus Schwertner Generalsekretär Caritas Wien

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Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel
Von Chefredakteur Henning Klingen
Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel

Von Chefredakteur Henning Klingen

 

 

Vor fast fünf Jahren habe ich in einem Editorial schon einmal von meinem Großvater berichtet. Damals war er Anfang 90. Sein Leben war rhythmisiert von der Arbeit im Garten, vom Wechsel der Jahreszeiten, den Urlauben mit uns Enkeln, den Skat-Runden und häufiger werdenden Arztbesuchen. Vor zwei Jahren ist mein Großvater gestorben – mit 97 Jahren. Anm.: Dann kann etwas nicht stimmen ...

 

Warum erzähle ich Ihnen das zu Beginn einer Ausgabe zum Thema Zeit? Weil meine Großeltern ein biblisches Alter erreicht haben, meine Großmutter noch immer lebt, gewiss. Aber auch, weil die Besuche bei Ihnen, das Betreten Ihres Universums einem Akt des Aufstands gegen die verrinnende Zeit glichen: Denn meine Großeltern schienen nicht zu altern. Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen. Und selbst im Sterben rang mein Großvater dem Leben noch Tage, Stunden ab. Der Tod, so schien es, war für ihn nie eine Option. Er wählte stets das Leben – und die Zeit meinte es tatsächlich gut mit ihm, sie hat sich an ihn verschenkt.  

Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen.

 

Mich beeindruckt dieser Aufstand gegen die Zeit nach wie vor sehr. Denn es steckt nicht nur viel geerdete Lebenskraft darin, sondern auch ein ganz und gar unsentimentales Gottvertrauen: Gott wird das Seine dazu tun, es zum Guten wenden, wenn wir nur unseren Teil in der uns geschenkten Zeit vollbringen. Im Kleinen – der Familie, dem Garten, der Ehe – ebenso wie im Großen. Widerstand und Ergebung – auch hier gehen sie Hand in Hand.

 

Und noch etwas lehrten mich die Besuche bei meinen Großeltern: die Zeit als Geschenk zu begreifen, das man nicht ungenutzt verstreichen lassen darf, sondern welches man dankbar annimmt. Entsprechend blieb mir oft mein Klagen über einen vollen Terminkalender, über den gefühlten Zeitmangel im Hals stecken, sobald ich die Türschwelle zu meinen Großeltern überschritt. Beschämt darüber, dass ich offensichtlich noch nicht begriffen hatte, wie man sich der Zeit angemessen und stets mit einer Prise Humor widersetzt, wie man ihr Sinn und durch alle Irrungen und Wirrungen hindurch Leben abtrotzt.

Und so möchte ich – ganz Niederrheiner wie meine Großeltern – Ihnen mit ein paar Zeilen des niederrheinischen Dichters und Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch einen zeitsatten Advent und ein frohes Weihnachtsfest im Horizont der uns geschenkten Zeit wünschen:

 

Ich bin vergnügt erlöst befreit.

Gott nahm in seine Hände meine Zeit,

mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,

mein Triumphieren und Verzagen,

das Elend und die Zärtlichkeit.


Henning Klingen

 

Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl
Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl

Was ist schon endgültig?

 

Wieder einmal sinniere ich in meinem „Seitenschiff“ so vor mich hin: Was ist eigentlich im menschlichen Dasein endgültig? Eigentlich nur der Tod, mit dem jedes Leben auf Erden einmal endet. Daran können auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, Entdeckungen etc. etwas ändern. Sonst sind dem menschlichen Forschungsdrang keine Grenzen gesetzt. Ohne diesen würde sich unser Leben noch in der Steinzeit abspielen.

Wir sind dankbar für die Entwicklungen im Bereich der Naturwissenschaften, der Medizin, der Technik. Nur die Kirche tut sich – meist aus Machtgründen – bei neuen Sichtweisen immer schwer. Strafmaßnahmen sollen diese ver- oder behindern. Beispiele dafür gibt es genug – vom Mittelalter bis heute. Nur die Methoden änderten sich. Galileo Galilei drohte man noch mit der Inquisition und Hans Küng entzog man die kirchliche Lehrbefugnis.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich aber auch die Kirche für neue Sichtweisen geöffnet. Sie hat begonnen, sich mit den geänderten Lebensumständen der Menschen und deren gesellschaftlichem Umfeld auseinanderzusetzen. Neu zu überdenken erscheinen etwa das Amtsverständnis und die Stellung der Frau in der Kirche. Vieles ist noch immer ungelöst bzw. es zeichnen sich sogar wieder Rückschritte ab. Durch Nachdenk- und Redeverbot wird man aber die notwendigen Änderungen nicht verhindern können. Es ist nur zu hoffen, dass deren Akzeptanz durch die Kirche nicht so lange dauert wie die Rehabilitation von Galileo Galilei. Sie erfolgte 1992 nach fast 400 Jahren.

 

 

Prof. Ingeborg Schödl

 

Themen & Schwerpunkte

... und was die Kirche der Jugend bietet

Kirche und Jugend: ist diese Beziehung noch zu retten? Warum hier die Zeiger der Uhr schon auf nach zwölf stehen und dass aber der Beginn einer ganz neuen Beziehung sein kann beantwortet Walter Schmolly.

 

Kirche und Jugend: für vieles ist es schon zu spät, die Zeiger der Uhr zeigen auf nach 12. Aber: das ermöglicht auch neue Chancen und Perspektiven. Vielleicht findet sich ein neuer Weg.

 

Die Kirche und die jungen Menschen – auf den ersten Blick gibt es da nicht wirklich viel Neues zu erzählen. Dass die beiden mehrheitlich einander fremd sind, ist ebenso offenkundig wie die Erfahrung, dass im Laufe des Lebens manche dieser jungen Menschen über die Geschenke und Bürden des Lebens dann doch in eine verbindlichere Beziehung zu einer Pfarre, Gottesdienstgemeinde oder Engagementgruppe finden. Und gänzlich ausgezogen sind die Jugendlichen aus der Kirche Gott sei Dank ja auch noch nicht. So manche Firmfeier 17-Jähriger hinterlässt staunende Dankbarkeit ob der Klarheit dieser jungen Menschen.

Aus den Begegnungen mit den JugendbotschafterInnen der Caritas gehe ich jedes Mal begeistert und bereichert weg. Und selbst ein Event wie das Fest am See der Diözese Feldkirch anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens fühlt sich nicht nur bemerkenswert jung an, es hat auch überraschend viele Jugendliche versammelt. Und die engagierte Arbeit der kirchlichen JugendarbeiterInnen in den Diözesen, den Verbänden und auch in der Caritas geht auch nicht ins Leere.

 

Frage der Unternehmenskultur

Es mangelt nicht an Wissen, woran die Beziehung zwischen der Kirche und den jungen Menschen hängt. Es geht dabei vor allem um Haltungen, wie etwa die Bereitschaft, den Jugendlichen wirklich zu begegnen und ihrem Glauben und Engagement selbstlos einen Rahmen zu bieten. Aber das sind eben Fragen der (Unternehmens-)Kultur, die sich nicht auf Knopfdruck oder Weisung von heute auf morgen verändern lassen.

Martin Werlen, der noch recht junge Altabt des Schweizer Benediktinerklosters Einsiedeln hat kürzlich ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Zu spät. Eine Provokation für die Kirche. Hoffnung für alle“. Er habe früher gerne davon gesprochen, dass es für die Kirche „fünf vor Zwölf“ sei. Zwischenzeitlich sehe er, es sei bereits „fünf nach Zwölf“. Um fünf vor Zwölf ging es darum, zu retten, was noch zu retten ist, um fünf nach Zwölf ist klar, dass es keinen Weg zurück mehr gibt. Um fünf nach Zwölf hat ein neuer Tag begonnen, der unverbraucht vor uns liegt, ein neuer Tag der Gnade Gottes, ein Tag, an dem, wie Papst Johannes XXIII. in seiner Eröffnungsrede für das Zweite Vatikanische Konzil sagt, wir es nicht mit den „Unglückspropheten“ halten sollen, sondern auf den „verborgenen Plan der göttlichen Vorsehung“ vertrauen und uns von Gott überraschen und aufs Neue rufen lassen dürfen.

 

Vorbilder gesucht

Dieses entschiedene Ja zu dem, was ist, ist gerade für die Jugendpastoral ein entscheidend wichtiger Schritt. Das Leben ist nur im Heute zu finden, im Hier und Jetzt – und nirgendwo anders sind die jungen Menschen. Sie leben in diesem Heute und müssen sich zurechtfinden in der Welt, die wir ihnen hinterlassen haben: eine Welt voller Krisen, eine Welt polarisierter Kommunikation in isolierten Blasen, eine Welt, in der es kaum noch allgemeingültige Werte einer „erwachsenen“ Ordnung gibt, kurzum: eine Welt, in der es ebenfalls fünf nach Zwölf ist.

 

Eine Kirche, für die es fünf nach Zwölf ist, in einer Welt um fünf nach Zwölf. Da ist der Boden bereitet für etwas Neues – meint Martin Werlen. Mancherorts schimmert es auch schon durch. SpezialistInnen für ein Leben fünf nach Zwölf sollten sich zusammentun. Voraussetzung ist das Wagnis der Begegnung. Wir erwachsene Kirchenmenschen müssen dabei in die Vorleistung gehen, in Begegnungen, die getragen sind von einem ehrlichen Interesse an den jungen Menschen, Begegnungen, in denen wir bereit sind, unsere Erfahrungen mit dem Evangelium und unserem Glauben zu teilen, Begegnungen, die nicht instrumentalisieren für die Aufrechterhaltung gestriger Strukturen, sondern Raum und Unterstützung bieten, damit werden kann, was Gott an diesem neuen Tag schenkt.


  

Dr. Walter Schmolly ist Direktor der Caritas der Diözese Feldkirch. Zuvor war er viele Jahre Leiter des diözesanen Pastoralamts.

 


 

Weiterlesen:

 

Woran die Jugend glaubt: Ergebnisse der Jugendstudie hinsichtlich ihres Glaubens. Von Bernhard Heinzlmaier.

 

Jugendliche wollen gehört werden! Weihbischof Stephan Turnovszky diskutiert mit zwei Jugendlichen am "Runden Tisch" zu ihrer Rolle in der Kirche. 

 

Jugendliche Smartphone Zombies? Gastautor Stephan Sigg über positive Signale bei der Handynutzung. 

 

 

 

 

 

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