Worauf noch hoffen?
Von Chefredakteur Henning Klingen
Worauf noch hoffen?

Von Chefredakteur Henning Klingen

Bereit war sie schon lange. Spätestens seit dem Tod ihres Mannes, meines Großvaters, vor drei Jahren hatte meine Großmutter die Koffer ihres Lebens gepackt. Randvoll mit reifem, gelebtem Leben, mit Erinnerungen, auch nach Schmerzhaftem, was ihr so langes 94-jähriges Leben bereitgehalten hatte. Immer wieder habe ich in meinen Texten von meinen Großeltern erzählt – nicht, weil ich Ihnen Privates aufdrängen möchte, sondern weil meine Großeltern ein Stück jener Familiengeschichte darstellen, die mich und meine Art, auf die Dinge zu blicken, prägen. Und wenn wir nun in dieser Ausgabe aus Anlass des Weltgebetstages für geistliche Berufungen den Appell „Sei bereit!“ formulieren, so ist es auch ihre gelassene Bereitschaft zum Abschied, ohne des Lebens zugleich überdrüssig zu sein, die mich zutiefst beeindruckt und die ich hier teilen möchte.

 

Denn tatsächlich scheint ja unsere Gesellschaft nicht nur auf Geschwindigkeit, sondern auf die ständige Sprungbereitschaft getrimmt zu sein: Alles muss rasch gehen; von jedem wird verlangt, stets bereit zu sein, dem Job hinterherzuhecheln oder dem Glück nachzujagen. Carpe diem, nutze den Tag! Doch es bleibt nicht nur Erschöpfung zurück, sondern auch ein fader Beigeschmack: Denn mit wirklicher Überraschung, für die es sich lohnt, bereit zu sein, hat dies herzlich wenig zu tun. Philosophen sprechen von einer zunehmenden „Prozessmelancholie“ oder dem Gefühl einer ständigen Wiederkehr des Immergleichen im Gewand des angeblich überraschend Neuen. Burn-outs und Depressionen nehmen – so sagen Therapeuten – auch darum zu, weil immer mehr Menschen immer weniger erhoffen und erwarten vom Leben.

 

Und nun auch noch eine Infusion an Bereitschafts-Hysterie von unserer Seite? Nein, natürlich nicht. Zumindest nicht ganz. Denn selbstverständlich formuliert der biblische Glaube eine glühende, ja, drängende Hoffnung, die in den letzten Zeilen des Neuen Testaments in den Ruf Maranatha, komm, Herr Jesus! mündet. Der Gläubige soll stets auf gepackten Koffern sitzen – jedoch nicht, um der Welt zu entsagen oder sich der gestaltenden Verantwortung zu entziehen, sondern um im Wissen um das Geschenk der Zeit mit dieser behutsam umzugehen. Meine Großmutter hat um dieses Geschenk gewusst und dem Leben – gleichwohl auf den eigenen Koffern sitzend – immer wieder ein Lächeln und viel, viel Zeit abgeluchst. Nun ist sie gestorben. An einem trüben Märztag in einem Spital, nicht weit von jenem Haus entfernt, in dem sie bis zuletzt und über 60 Jahre gelebt hatte. Bereit für das, was da kommen mag.

Lebt Freundlichkeit!
Kolumne von Dr. Georg Plank
Lebt Freundlichkeit!

Kolumne von Dr. Georg Plank

 

Ein Lächeln öffnet verschlossene Herzen. Das können wir tagtäglich erleben. Mehr als tausend Worte vermitteln freundliche Gesten, dass man willkommen ist und dass man sich sicher fühlen darf. Das gilt auch für nüchterne Sitzungen oder im öffentlichen Verkehr. Beruflich bedingt komme ich viel herum. Häufig bin ich ein Fremder – in Hotels, Bahnhöfen oder auch in Pfarren. Dabei merke ich oft, wie ein freundliches Lächeln oder ein herzlicher Gruß alltägliche Situationen in etwas Besonderes verwandeln können. Leider erlebe ich aber gerade in kirchlichen Kontexten überdurchschnittlich viel Unfreundlichkeit. Keiner redet mich an, die Insider bleiben unter sich, Blicke sagen: „Was macht denn der da?“

 

 

Pfarren und kirchliche Gemeinschaften leiden unter Rückgängen, vor allem die Jungen bleiben aus. Daher werde ich oft gefragt: Was können wir denn tun, damit wir wieder mehr Menschen erreichen? Der erste Schritt ist oft: Lebt ehrliche und spürbare Freundlichkeit! Nicht als Trick oder Methode, sondern weil ihr euch bemüht, jeden Menschen, gerade die fremden und armen, so zu lieben, wie Gott sie liebt. Dazu gibt es viele Möglichkeiten: von der gastfreundlichen Atmosphäre bei Aktivitäten, am Sonntag oder bei Sitzungen, über die Wortwahl am Telefon oder im Pfarrblatt bis zur Ausstrahlung der Homepage.

 

 

 

 

Georg Plank

PASTORALINNOVATION

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Themen & Schwerpunkte

Allzeit bereit!

Über 40 Millionen Mitglieder zählt die größte internationale Kinder- und Jugendbewegung der Welt: die Pfadfinder.

 

Allzeit bereit: Auch bei Notfällen lernen Pfadfinder zu helfen. 

 

 

Punkt, Punkt, Punkt, Strich, Punkt ... – Helena versucht sich das Morsealphabet einzuprägen und übt es an ihrem Namen, während nach und nach Kinder eintreffen und das Pfadfinderheim in Gars im Kamptal mit Leben füllen. Sonja Mostböck und die Verantwortlichen wühlen sich durch Mullbinden, Dreieckstücher und Heftpflaster. Heute sollen die Guides und Späher, also Mädchen und Burschen zwischen 10 und 13 Jahren, lernen, was im Notfall zu tun ist. Allzeit bereit wollen Pfadfinder sein, beispielsweise „um helfen zu können, wenn jemand verletzt ist“, sagt Fabian. Geübt wird die stabile Seitenlage – und zwar am lebenden Objekt. Jeder darf für den Ernstfall einmal probieren, aber auch Opfer spielen. Allzeit bereit – auch dazu, stets Neues zu lernen.

 

Gemeinschaft erleben

 

Zur gleichen Zeit hat es sich eine Gruppe von jungen Erwachsenen in einem Nebenraum auf einer Couch gemütlich gemacht. Sie denken gemeinsam darüber nach, wie man die Anlage des neuen Pfadfinderheims noch attraktiver gestalten könnte: mit einer Kräuterspirale zum Beispiel, die in den nächsten Wochen gleich umgesetzt werden soll. Die Natur liegt den Pfadfindern schließlich besonders am Herzen. Deswegen verbringen sie nicht nur ihre wöchentlichen Treffen meist im Freien, ein beliebter Fixpunkt sind auch die jährlichen Lager. Das Leben in der Natur und in Gemeinschaft fasziniert und lädt zu einem einfacheren, reduzierten Leben ein, erzählt der 34-jährige Andreas, der wie die meisten schon seit seiner Kindheit bei den Pfadfindern ist.

 

Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt.

 

Die Ranger und Rover, wie die Pfadfinder in der älteste Stufen heißen, haben sich erst kürzlich überlegt, was es für sie bedeutet, ein Pfadfinder, eine Pfadfinderin zu sein: Neben der Verbundenheit mit der Natur kamen da auch Antworten wie Lachen können, Gemeinschaft, Auszeit und Ich-sein-Können. Für Andreas gehört auch dazu, „allzeit bereit zu sein für die Herausforderungen und Abenteuer des Lebens, ja für die Veränderungen, die einem begegnen“ – im individuellen Bereich genauso wie in der Gesellschaft.

 

Die Natur liegt den Pfadfindern besonders am Herzen. Gemeinsam verbringt man viel Zeit draußen und lernt so, ein einfacheres Leben zu führen. 

 

 

Täglich eine gute Tat

 

Jeden Tag eine gute Tat zu tun, wie das traditionelle Pfadfindermotto lautet, ist Motivation und gibt Orientierung im Leben – und es gilt natürlich nicht nur, wenn man die Pfadfinderkluft trägt. Als Pfadfinder ist man bewusster unterwegs. Das fängt schon beim Papier an, das man am Boden sieht und aufhebt, statt daran vorbeizugehen. Auch damit verwirklicht man den Auftrag, den der Gründer der Pfadfinder, Robert Baden-Powell, seiner Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts mit auf den Weg gegeben hat: „Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt.“

 


 Daniel Seper

 

Die Pfadfinder sind eine internationale, religiös und politisch unabhängige Bewegung für Kinder und Jugendliche. In Österreich gibt es rund 85.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Die Pfadfindergruppe in Gars am Kamp/NÖ besteht seit 1947 und zählt derzeit knapp 100 Mitglieder.

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