Vom Wagnis der Schönheit
Von Chefredakteur Henning Klingen
Vom Wagnis der Schönheit

Von Chefredakteur Henning Klingen

Erinnern Sie sich noch an den Film „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni? Vor 20 Jahren sorgte der Film für großes Aufsehen. Es ging darin um die Liebe zwischen dem lebensfrohen Kellner Guido und der Lehrerin Dora. Gut die Hälfte des Films ist eine anrührende und leichtfüßige Liebeskomödie aus dem Italien der 1930er Jahre. Dann senkt sich der Schatten des Nationalsozialismus über die Geschichte und das Paar wird samt Sohn Giosuè ob seiner jüdischen Herkunft in einem Konzentrationslager inhaftiert. Vater Guido macht ein Spiel aus der Haft, um seinem Sohn die Realität erträglich zu gestalten. Schließlich stirbt er – Sohn und Mutter kommen frei. Ein großes, anrührendes Stück Kinogeschichte, das hilft, das historisch Unerträgliche ein stückweit erträglicher zu machen.

„Schönheit, Kultur, Menschlichkeit, Solidarität und Religion bedürfen der Pflege und des Bekenntnisses“

Ich habe mich stets gefragt, warum der Film „Das Leben ist schön“ heißt. Bis mir klar wurde, dass dieser Satz ein Bekenntnis ist; ein Schrei, allen Widrigkeiten und offensichtlichen Schrecklichkeiten zum Trotz. Das Leben ist nicht schön – und doch gilt es, der hässlichen Fratze, die die Realität manchmal wie im Film in höchster Konzentration bietet, Paroli zu bieten. Weil Leben schön sein soll. Weil Schönheit – ähnlich wie Kultur, Menschlichkeit, Solidarität und im Übrigen auch Religion – keine Selbstläufer sind, sondern des Einsatzes, der Pflege, ja, des Bekenntnisses bedürfen.

 

Doch nun stehen die Sommermonate ins Haus – und damit für Sie hoffentlich auch ein Stück jener Leichtigkeit, die unser aktuelles Coverbild ausstrahlen will. Eine Leichtigkeit, die wir hoffen, auch mit unserem neuen Design auszudrücken. Nach gut fünf Jahren im „alten“ Design fühlten wir uns bereit, wieder etwas zu verändern und auch das „miteinander“ neu zu gestalten. Wir haben dabei sozusagen den Sprung ins kalte Wasser gewagt und fühlen uns mit dem neuen Design regelrecht erfrischt, ohne die inhaltliche Ausrichtung grundlegend zu verändern. Es würde uns freuen, wenn auch Sie diese Erfrischung spüren und zugleich uns und unserem Auftrag, Berufungen in der Kirche zu fördern, treu bleiben!

 

 

 

 

 

Lebt Freundlichkeit!
Kolumne von Dr. Georg Plank
Lebt Freundlichkeit!

Kolumne von Dr. Georg Plank

 

Ein Lächeln öffnet verschlossene Herzen. Das können wir tagtäglich erleben. Mehr als tausend Worte vermitteln freundliche Gesten, dass man willkommen ist und dass man sich sicher fühlen darf. Das gilt auch für nüchterne Sitzungen oder im öffentlichen Verkehr. Beruflich bedingt komme ich viel herum. Häufig bin ich ein Fremder – in Hotels, Bahnhöfen oder auch in Pfarren. Dabei merke ich oft, wie ein freundliches Lächeln oder ein herzlicher Gruß alltägliche Situationen in etwas Besonderes verwandeln können. Leider erlebe ich aber gerade in kirchlichen Kontexten überdurchschnittlich viel Unfreundlichkeit. Keiner redet mich an, die Insider bleiben unter sich, Blicke sagen: „Was macht denn der da?“

 

 

Pfarren und kirchliche Gemeinschaften leiden unter Rückgängen, vor allem die Jungen bleiben aus. Daher werde ich oft gefragt: Was können wir denn tun, damit wir wieder mehr Menschen erreichen? Der erste Schritt ist oft: Lebt ehrliche und spürbare Freundlichkeit! Nicht als Trick oder Methode, sondern weil ihr euch bemüht, jeden Menschen, gerade die fremden und armen, so zu lieben, wie Gott sie liebt. Dazu gibt es viele Möglichkeiten: von der gastfreundlichen Atmosphäre bei Aktivitäten, am Sonntag oder bei Sitzungen, über die Wortwahl am Telefon oder im Pfarrblatt bis zur Ausstrahlung der Homepage.

 

 

 

 

Georg Plank

PASTORALINNOVATION

www.pastoralinnovation.at

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Themen & Schwerpunkte

Frühstück bei ihr - Interview mit Claudia Stöckl

Seit 21 Jahren trifft Claudia Stöckl prominente Personen zum „Frühstück bei mir“. Viele ihrer rund 1.100 Interviewpartner zeichneten sich durch Mut und Zivilcourage aus und wurden so zu „modernen Propheten“.

Interview mit Claudia Stöckl zum Thema Moderne Prophetenmiteinander: Kann man sagen, dass „Frühstück bei mir“ für viele Menschen eine gute Alternative zur Sonntagsmesse ist?

 

Stöckl: Ja, das höre ich immer wieder. Mir haben aber auch schon Menschen erzählt, dass sie um 10 Uhr leider abschalten müssen, weil sie in die Messe gehen. Diese Konkurrenz will ich gar nicht beginnen. In einem Gottesdienst bekommt man durch die Predigt Inspiration und Anhaltspunkte für das Leben. So sind meine Gäste Lehrer für mich, ich stelle ihnen große Lebensfragen: Wie gelingt die Liebe? Wo beginnt das Glück? Wie verarbeiten sie Trauer? Antworten von Harald Krassnitzer oder Herbert Grönemeyer können für viele dann Wegweiser sein.

 

Sie haben jedenfalls viel Macht, Menschen eine Stimme zu geben.

 

Jedes Medium hat diese Macht. Ich freue mich, wenn ich Menschen dabei unterstützen kann, bekannter zu werden, oder gute Projekte fördern kann. Mit fast einer Million Zuhörern sind Reichweite und Interesse sehr groß.

 

Propheten sind Menschen, die mit klarem Blick ihre Zeit analysieren, den Finger in Wunden legen und sagen: „Wir müssen etwas anders machen!“ Mit welchen „modernen Propheten“ haben Sie schon gefrühstückt?

 

Herbert Grönemeyer, der erfolgreichste deutsche Popstar, hat sehr menschlich über die Flüchtlingskrise gesprochen: Es sind Menschen, die zu uns kommen, wir müssen uns unserer Verantwortung stellen und dürfen uns nicht nur abschotten. Mit unserem Konsumverhalten beuten wir Teile dieser Welt aus. Seine Meinung ist nicht sehr populär, dafür bekommt er einen „Shitstorm“ nach dem anderen, aber er kümmert sich nicht darum. Der Philosoph Richard David Precht hat bei mir kritisiert, dass wir unser Glück durch Körperkult definieren und keine Anzeichen des Alterns zeigen dürfen. ÖBG-Chef Wolfgang Katzian hat erzählt, wie sich die Arbeitswelt verändert, Internetriesen wie „Uber“ Lohndumping betreiben und ein neues „Tagelöhnertum“ entsteht. Sigrid Maurer hat obszöne, herabwürdigende Facebook-Nachrichten bekommen – und das nicht auf sich sitzen lassen.

 

Claudia Stöckl moderiert seit 21 Jahren die sonntägliche Interviewsendung „Frühstück bei mir“ auf Ö3. Sie ist ehrenamtliche Obfrau des Vereins „ZUKI – Zukunft für Kinder“, der Kindern in Indien Schulbildung ermöglicht.

Webtipp: www.zuki-zukunftfuerkinder.at .

Interview mit Claudia Stöckl zum Thema Moderne Propheten

 

Was haben diese Menschen gemeinsam, dass sie sich trauen aufzustehen und zu sagen, was falsch läuft in unserer Gesellschaft?

 

Zivilcourage, Mut und ein hohes Selbstbewusstsein. Man darf sich nicht sofort ducken und schweigen, auch wenn es Gegenwind gibt. Denn diesen gibt es in unserer digitalisierten Welt noch in derselben Sekunde. Wenn bei mir jemand in der Sendung für mehr Menschlichkeit im Umgang mit Asylwerbern plädiert, dann kommen sofort die Kommentare, dass das wieder ein Linkslinker-Künstler und Sozialromantiker ist. Wir leben in einer Empörungsgesellschaft, in der viele das Internet als Ventil nutzen. Es muss einem egal sein, wenn man Fans verliert. Ich bewundere es sehr, dass Herbert Grönemeyer mit 62 Jahren die Öffentlichkeit, die er hat, nützt, um Menschen wachzurütteln. Er könnte sich ja auch ausruhen auf dem, was er geschaffen hat. Er müsste keine Lieder machen, in denen er Türkisch singt, um darauf hinzuweisen, dass wir in einem Schmelztiegel an Kulturen leben.

 

Falco hat einmal bei Ihnen im Frühstück gesagt: „Wenn der Erfolg schneller wächst, als die Seele mitwachsen kann, dann hat man ein Problem.“ Haben Sie das bei Ihren Gesprächspartnern gemerkt?

 

Ich habe meist sehr erfolgreiche Menschen am Frühstückstisch sitzen, die seit 40 Jahren oder auch erst seit Kurzem erfolgreich sind. André Heller hat davon gesprochen, dass eigentlich jeder Mensch polarisiert, wenn er für etwas steht, denn irgendwer ist immer dagegen. In diese Rolle muss man erst hineinwachsen – und man muss es auch wollen.

 

Also hat nicht jeder, der eine große Öffentlichkeit hat, auch automatisch etwas zu sagen.

 

Bei manchen Gästen, darunter viele Sportler und Künstler, merke ich, dass sie mit der Rolle des „Opinion Leaders“, des modernen Propheten, nicht umgehen können und das auch nicht sein wollen. Sie möchten über das sprechen, was ihnen wichtig ist: über ihr neues Buch, ihre Musik, ihren Sieg bei der Abfahrt. Ich verstehe, dass viele nicht anecken wollen. Um erfolgreich zu sein, muss man sich fokussieren.

 

Knapp 1.100 Interviews haben Sie für „Frühstück bei mir“ geführt. Haben Sie nicht alles schon einmal gehört?

 

Nein. Ich frage mich das selber oft, weil mir bewusst ist, dass das Leben endlich ist und mich noch vieles interessieren würde. Mir gefällt es, Menschen bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Christina Stürmer habe ich als junge, unsichere Frau interviewt, die zu Beginn mit ihrem Erfolg überhaupt nicht umgehen konnte – jetzt ist sie Mitte dreißig, Mutter und extrem gereift in ihren Ansichten. Das ist schön. Es ist interessant, mit Menschen zu tun zu haben, ihre Lebenswelt und ihre Seele zu erkunden.

 

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Das Interview mit Claudia Stöckl führte Ines Schaberger.

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