Wofür lebst du?
Rupert Santner
„Für Menschen, die ein Teil meines Weges werden. Für Gott, um mein Leben von Ihm sprechen zu lassen. Für das Schöne,...
Wofür lebst du?
Rupert Santner

„Für Menschen, die ein Teil meines Weges werden. Für Gott, um mein Leben von Ihm sprechen zu lassen. Für das Schöne, Wahre, Gute, das mein Herz immer wieder neu erfüllt.“ Rupert Santner, Priesterseminarist Salzburg

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Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel
Von Chefredakteur Henning Klingen
Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel

Von Chefredakteur Henning Klingen

 

 

Vor fast fünf Jahren habe ich in einem Editorial schon einmal von meinem Großvater berichtet. Damals war er Anfang 90. Sein Leben war rhythmisiert von der Arbeit im Garten, vom Wechsel der Jahreszeiten, den Urlauben mit uns Enkeln, den Skat-Runden und häufiger werdenden Arztbesuchen. Vor zwei Jahren ist mein Großvater gestorben – mit 97 Jahren. Anm.: Dann kann etwas nicht stimmen ...

 

Warum erzähle ich Ihnen das zu Beginn einer Ausgabe zum Thema Zeit? Weil meine Großeltern ein biblisches Alter erreicht haben, meine Großmutter noch immer lebt, gewiss. Aber auch, weil die Besuche bei Ihnen, das Betreten Ihres Universums einem Akt des Aufstands gegen die verrinnende Zeit glichen: Denn meine Großeltern schienen nicht zu altern. Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen. Und selbst im Sterben rang mein Großvater dem Leben noch Tage, Stunden ab. Der Tod, so schien es, war für ihn nie eine Option. Er wählte stets das Leben – und die Zeit meinte es tatsächlich gut mit ihm, sie hat sich an ihn verschenkt.  

Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen.

 

Mich beeindruckt dieser Aufstand gegen die Zeit nach wie vor sehr. Denn es steckt nicht nur viel geerdete Lebenskraft darin, sondern auch ein ganz und gar unsentimentales Gottvertrauen: Gott wird das Seine dazu tun, es zum Guten wenden, wenn wir nur unseren Teil in der uns geschenkten Zeit vollbringen. Im Kleinen – der Familie, dem Garten, der Ehe – ebenso wie im Großen. Widerstand und Ergebung – auch hier gehen sie Hand in Hand.

 

Und noch etwas lehrten mich die Besuche bei meinen Großeltern: die Zeit als Geschenk zu begreifen, das man nicht ungenutzt verstreichen lassen darf, sondern welches man dankbar annimmt. Entsprechend blieb mir oft mein Klagen über einen vollen Terminkalender, über den gefühlten Zeitmangel im Hals stecken, sobald ich die Türschwelle zu meinen Großeltern überschritt. Beschämt darüber, dass ich offensichtlich noch nicht begriffen hatte, wie man sich der Zeit angemessen und stets mit einer Prise Humor widersetzt, wie man ihr Sinn und durch alle Irrungen und Wirrungen hindurch Leben abtrotzt.

Und so möchte ich – ganz Niederrheiner wie meine Großeltern – Ihnen mit ein paar Zeilen des niederrheinischen Dichters und Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch einen zeitsatten Advent und ein frohes Weihnachtsfest im Horizont der uns geschenkten Zeit wünschen:

 

Ich bin vergnügt erlöst befreit.

Gott nahm in seine Hände meine Zeit,

mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,

mein Triumphieren und Verzagen,

das Elend und die Zärtlichkeit.


Henning Klingen

 

Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl
Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl

Was ist schon endgültig?

 

Wieder einmal sinniere ich in meinem „Seitenschiff“ so vor mich hin: Was ist eigentlich im menschlichen Dasein endgültig? Eigentlich nur der Tod, mit dem jedes Leben auf Erden einmal endet. Daran können auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, Entdeckungen etc. etwas ändern. Sonst sind dem menschlichen Forschungsdrang keine Grenzen gesetzt. Ohne diesen würde sich unser Leben noch in der Steinzeit abspielen.

Wir sind dankbar für die Entwicklungen im Bereich der Naturwissenschaften, der Medizin, der Technik. Nur die Kirche tut sich – meist aus Machtgründen – bei neuen Sichtweisen immer schwer. Strafmaßnahmen sollen diese ver- oder behindern. Beispiele dafür gibt es genug – vom Mittelalter bis heute. Nur die Methoden änderten sich. Galileo Galilei drohte man noch mit der Inquisition und Hans Küng entzog man die kirchliche Lehrbefugnis.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich aber auch die Kirche für neue Sichtweisen geöffnet. Sie hat begonnen, sich mit den geänderten Lebensumständen der Menschen und deren gesellschaftlichem Umfeld auseinanderzusetzen. Neu zu überdenken erscheinen etwa das Amtsverständnis und die Stellung der Frau in der Kirche. Vieles ist noch immer ungelöst bzw. es zeichnen sich sogar wieder Rückschritte ab. Durch Nachdenk- und Redeverbot wird man aber die notwendigen Änderungen nicht verhindern können. Es ist nur zu hoffen, dass deren Akzeptanz durch die Kirche nicht so lange dauert wie die Rehabilitation von Galileo Galilei. Sie erfolgte 1992 nach fast 400 Jahren.

 

 

Prof. Ingeborg Schödl

 

Themen & Schwerpunkte

Mit 50 nochmal großer Bruder werden

Ein Kind oder einen Jugendlichen in einer herausfordernden Situation begleiten und wertvolle Lebenszeit teilen: Beim Mentorenprogramm „Big Brothers Big Sisters“ investieren Erwachsene ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit.

Von Sandra Lobnig

„Der liebe Gott hat es gut mit mir gemeint, das will ich jetzt weitergeben.“ (Mentor Thomas Luzer)

 

Der 14-jährige Fabian sitzt an einem grün lackierten Holztisch gleich neben dem großen Brunnen im Wiener Rathauspark. Das Wasser plätschert, die Sonne scheint. Ein warmer Julitag mitten in den Sommerferien. Neben Fabian sitzt Thomas Luzer, 50 Jahre alt, in kariertem Hemd und mit dunkler Sonnenbrille. „Der Thomas ist viel fitter als ich. Wenn wir unterwegs sind, läuft er mir immer davon“, sagt Fabian, vor sich ein Glas Eistee, und lacht. Thomas klopft dem Burschen an seiner Seite freundschaftlich auf die Schulter.

 

Thomas und Fabian unternehmen seit Februar jeden Montag etwas gemeinsam. Meistens ist es Thomas, der sich etwas einfallen lässt. „Fabian ist für alles offen, außer für Fußball.“ Sie schauen sich an und grinsen. In den vergangenen Monaten waren sie auf der Alten Donau Bootfahren, im Lainzer Tiergarten, im „Haus des Meeres“ und im Winter zweimal im Museum.

 

Großer Bedarf an Mentoren

Thomas und Fabian sind nicht verwandt, auch nicht im herkömmlichen Sinn befreundet. Im Doppelpack heißen sie ganz offiziell „Tandem“: ein Mentor und sein Mentée. Ein junger Mensch, der einen älteren, erfahreneren Begleiter und Ansprechpartner an der Seite hat – wie einen großen Bruder. Zusammengekommen sind sie durch die Organisation „Big Brothers Big Sisters“ (BBBS), die Kinder und Jugendliche in herausfordernden Lebenssituationen mit engagierten Erwachsenen zusammenbringt. „Big Brothers Big Sisters ist das älteste und erfolgreichste Mentoring-Programm der Welt. In Österreich gibt es uns seit 2012“, erzählt Sarah Straub von BBBS. Der Verein betreut derzeit rund 100 Tandems in Wien, Kärnten, Niederösterreich und der Steiermark. Die Kinder und Jugendlichen sind zwischen 6 und 17 Jahre alt und werden von Vertrauenslehrern an ihren Schulen oder sozialen Trägern wie der Caritas oder der Diakonie an den Verein vermittelt, weil ihnen die kontinuierliche Begleitung eines erfahrenen Erwachsenen guttun würde. Viele von ihnen leben in Ein-Eltern-Familien, haben Migrationshintergrund, erleben die Trennung ihrer Eltern oder sind an einen neuen Wohnort gezogen. „Studien zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen durch die 1:1-Betreuung enorm an Selbstvertrauen gewinnen“, sagt Straub. BBBS ist immer auf der Suche nach geeigneten Mentoren, die sich ehrenamtlich für zumindest ein Jahr zur Verfügung stellen. „Der Bedarf ist sehr groß, wir können ihn eigentlich nicht decken.“

 

„Viele Mentoren sagen auch: Ich habe früher auch so einen Menschen gehabt, und sie wollen jetzt ebenfalls für jemand anderen da sein.“ (Sarah Straub BBBS)

 

Vertrauensperson sein

Thomas Luzer hat BBBS bei einem Vortrag kennengelernt und war von der Idee sofort begeistert. „Der liebe Gott hat es gut mir gemeint, das will ich jetzt weitergeben“, erinnert sich der Jurist. In einem ausführlichen Gespräch mit den Verantwortlichen von BBBS wurden seine Interessen und seine Wünsche für das Tandem besprochen. „Ich wollte jemanden, der sportlich ist und mit dem ich unterwegs sein kann.“ Seine Rolle als Mentor vergleicht Thomas Luzer mit der eines väterlichen Freundes. Er will für Fabian da sein. Eine Vertrauensperson, die dieser um Rat fragen kann, auch bei heiklen Fragen wie etwa jener der Berufswahl: „Bis Februar muss klar sein, was Fabian nach der Neuen Mittelschule machen wird. Ich habe schon mit Freunden, einem Installateur und einem Tischler, gesprochen, ob er bei ihnen schnuppern kann.“

 

Neue Lebenswelten kennenlernen

Vom eigenen Glück etwas an andere abgeben – das sei für viele Mentoren ein Motiv, sich bei BBBS zu engagieren, sagt Sarah Straub. „Viele Mentoren sagen auch: Ich habe früher auch so einen Menschen gehabt, und sie wollen jetzt ebenfalls für jemand anderen da sein.“ Beim Mentoring profitiere nicht nur der junge Mensch. „Die Mentoren lernen oft Qualitäten an sich kennen, von denen sie vorher nichts wussten. Zum Beispiel, dass sie gut zuhören können. Und sie lernen neue Lebenswelten kennen.“

Das Team bemüht sich sehr um ein gutes „Matching“ von Mentor und Mentée – und bringt dabei doch auch immer wieder Menschen zusammen, die sonst im Alltag vermutlich wenig miteinander zu tun hätten. Bei Thomas Luzer und seinem Mentée Fabian haben sich auf jeden Fall zwei gefunden, die sich verstehen. Und die auch beim Essen denselben Geschmack haben, zumindest an diesem Julitag im Rathauspark: Vor beiden steht ein Teller mit großem Schnitzel und Pommes frites.

 

Big Brothers Big Sisters sucht Mentoren! Mehr Infos auf

www.bigbrothers-bigsisters.at

 

 


 

Von Sandra Lobnig

CANISIUSWERK

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