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Berufung auf Umwegen

Am 12. Mai wurde Siegfried Bamer zum Diakon geweiht. Der Weg ins Priesterseminar war allerdings kein leichter und führte über manche Umwege. Begonnen hat alles mit einer Orgel …

Von Elisabeth Mayr

03.07.2019 | miteinander.at

Der frisch geweihte Diakon Sigi Bamer verdankt seine Berufung dem Orgelspiel. Dabei stand die erste Begegnung unter keinem guten Stern: Bei einem Kirchenbesuch mit seiner Großmutter ist die Orgelmusik regelrecht über ihn hereingebrochen. „Ich bin so gewaltig erschrocken, dass ich sofort aus der Kirche gelaufen bin“, erinnert sich der heute 33-Jährige lachend. Klar war: Die Orgel hat Eindruck hinterlassen. Und nachdem der erste Schreck einmal verdaut war, brachte sich Sigi mit nur fünf Jahren das Klavier- und später das Orgelspielen selber bei. Mit sechs Jahren saß er zum ersten Mal als Organist in seiner Heimatgemeinde Niederabsdorf in Niederösterreich auf der Orgelbank.

 

So ungewöhnlich der Beginn war, so ungewöhnlich setzte sich sein Berufungsweg fort: Mit 13 Jahren war Sigi bereits Chorleiter zweier Nachbargemeinden: ein Teenager, der sonntags gleich mehrere Messen besucht – wohl eher unüblich in dieser Altersgruppe: „Was soll ich sagen, ich war halt immer schon ein bunter Vogel.“ Nach der Schule begann Sigi zunächst seine Ausbildung zum Drogisten. Auch wenn vereinzelt der Gedanke auftauchte, Priester zu werden, so war er einfach noch nicht so weit, räumt er ein. Nach der Ausbildung leitete er zunächst eine Zeit lang eine Drogerie im 9. Wiener Gemeindebezirk – 2012 entschied er sich dann, dem Ruf nachzugeben und das Theologiestudium aufzunehmen.  Zeitgleich wechselte er beruflich die Branche und nahm eine Sekretariatsanstellung bei einem Autofachbetrieb an. 

 

Bei Kaffee und Zigarette

 

Bis es zum Eintritt ins Priesterseminar kam, galt es noch, einige Fragen zu klären – etwa, ob das Priester-Sein tatsächlich seiner Berufung entspricht oder doch eher ein weltlicher Beruf oder vielleicht gar die Musik? – Auch „die Sache mit dem Zölibat“ musste Sigi erst noch für sich klären. Sein Entschluss zum Eintritt ins Seminar fiel letztlich fast nebenbei: bei einem schnellen Kaffee und Zigarette mit einem Studienkollegen. „Warum trittst du nicht ein? Wovor hast du Angst?“, fragte dieser – und Sigi wusste ab dem Moment, dass tatsächlich nichts mehr dagegen, sondern alles dafür sprach. 

 

Zuletzt hat er mit der Diakonweihe den ersten großen Schritt auf dem Weg zum Priesteramt genommen. Die Freude über das neue Amt sieht man ihm an: „Es ist ein Wahnsinn, diese ganzen Gefühle und die Freude der Menschen, die mir Glückwünsche schicken. Viele, viele Menschen die mich einfach zwischendurch bitten, sie zu segnen.“ 

 

Die erste Taufe als Diakon erfolgreich gespendet! 

 

Dennoch weiß er, dass er als Diakon und später als Priester große Herausforderungen zu bewältigen hat: innerkirchliche Skandale, eine immer kleiner werdende Zahl an Kirchenbesuchern und kaum mehr Rückhalt in der Gesellschaft. „Es ist schon arg. Wir Priester sind an die letzte Stelle gerückt, wie Paulus das bereits vorausgesagt hat. Das ist oft hart zum Aushalten“, sagt er. Seine Vision dagegen? „Auf jeden Fall anpacken und die Glaubwürdigkeit, die die Kirche eingebüßt hat, wiederherstellen und das vorleben, was ich predige.“ Eine Aufgabe, die auch überfordern kann, weiß Sigi. „Aber es muss immer solche ‚Spinner‘ wie mich geben, die das tun wollen“, sagt er lachend. 

 

Doch Sigi „spinnt“ ganz und gar nicht: Er mag Menschen, er liebt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, aber auch die Senioren kommen bei ihm nicht zu kurz. Nicht ohne Stolz erzählt er, dass es in seiner Pfarre am Kalvarienberg in Hernals eine aktive Jugend gibt. Kraft gibt ihm bei all dem nach wie vor die Musik: Sie ist die Klammer, die Glaube und Leben bei ihm seit jeher zusammenhält. Auch wenn die Zeit knapp ist, ist er mit seinem Chor „Ad Libidum“ auf Hochzeiten unterwegs. „Ad Libitum müsste es heißen, aber mittlerweile ist der Rechtschreibfehler unser Markenzeichen geworden.“ 

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