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Das Leben ist schön!

Heilige Momente der Schönheit

Ob barocke Pracht oder kühler Purismus – Gottesdienste wollen als Orte und Zeiten der Verehrung des Höchsten per se „schön“ sein. Aber was wären Kriterien liturgischer Schönheit, die sich banalen Moden entziehen?

       

Zum Autor:

Daniel Seper ist Assistent im Fach Liturgiewissenschaft an der Universität Wien und seit 2012 Redaktionsmitglied von miteinander.

 

Eine goldene, mit Edelsteinen verzierte Monstranz, die das Allerheiligste birgt, wird unter dem Schutz eines Baldachins durch die Straßen getragen, gesäumt von Abordnungen uniformierter Mitglieder verschiedenster Vereine. Kinder bereiten der Prozession den Weg, indem sie Rosenblüten in allen Farben ausstreuen, deren Duft sich mit dem des Weihrauchs vermischt. Glockengeläut und Musikkapellen wechseln sich ab. 


Für viele ist das Fronleichnamsfest der Inbegriff katholischer Feierlichkeit, an das nicht einmal Weihnachten oder Ostern herankommen. Ein Fest für alle Sinne, bei dem aufgeboten wird, was Sakristei und Brauchtum zu bieten haben. Wieder Andere finden durch eine einfache Wort-Gottes-Feier in einer schlichten romanischen Kirche, die vom Barock verschont geblieben ist, zu Gott. Übertriebener Pomp wird von ihnen mehr als Ablenkung denn als Hinführung zu Gott gesehen. 

 

Ein Fest mit viel Pomp und Getöse - Fronleichnam. Es ist üblich, dass Kinder Blumen streuen, über die die Monstranz getragen wird.


Edle Einfachheit

 

Anhängern barocker Üppigkeit wie auch von kühlem Purismus – und natürlich auch all der Schattierungen dazwischen – ist gemeinsam, dass Liturgie sie anzieht, sie dort etwas suchen, das sie sonst nirgends finden. Sie sind auf der Suche nach dem Schönen im Gottesdienst. Die tägliche Konfrontation mit dem Hässlichen in all seinen Spielarten in Fernsehen, Zeitung, Nachrichten verlangt nach einem Ausgleich, den sich so mancher in der Erfahrung des Schönen im christlichen Gottesdienst erhofft.
 

Aber warum muss Liturgie überhaupt schön sein? Kann sie nicht einfach nur nüchtern und sachlich sein? Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dessen Liturgiereform hat mancherorts ein Bildersturm eingesetzt: Das Zuviel an Riten, Schmuck und Ausstattung wurde ins Gegenteil verkehrt und führte in einigen Kirchen zur Reduktion in Purismus und Minimalismus. Die angestrebte Vereinfachung des Gottesdienstes wurde mit Funktionalismus und Nützlichkeit verwechselt. Dabei hat das Konzil nicht Ärmlichkeit und Dürftigkeit für die Liturgie gefordert, sondern wollte den „Glanz edler Einfachheit“ wieder zum Leuchten bringen. 

 

Schöne Liturgie: Eine schliche Wort-Gottes-Feier oder doch pompöse Festlichkeit?

 

Gehalt und Gestalt

 

Damit Liturgie schön ist, reicht es nicht, dass sie gefällt, denn Geschmäcker gehen ja bekanntlich auseinander. Liturgie erlangt ihre Schönheit von ihrem inneren Wesen, ihrer Bestimmung her: Ein Gottesdienst ist dann schön, wenn er Anteil gibt an der göttlichen Herrlichkeit, wenn sich im Gottesdienst Himmel und Erde berühren. All das geschieht jedoch nicht auf abstrakte Weise, sondern dieser Inhalt verlangt nach entsprechendem Ausdruck. Gehalt und Gestalt müssen einander entsprechen. Und da der Mensch ein sinnenfälliges Wesen ist, möchte ein schöner Gottesdienst den Menschen auch in all seinen Sinnen ansprechen. 

 

Ein Gottesdienst kann dann als schön empfunden werden, wenn der tiefere Sinn dahinter nicht durch die Gestaltung verdeckt wird, sondern vielmehr in den verschiedenen Formen aufleuchtet. So gesehen kann ein reiner, wenngleich hoch aufwändiger Formalismus in der Liturgie, wie er sich etwa in einem tridentinischen Hochamt zeigen mag, ebenso eine Verfehlung sein wie ein betont progressiver Ästhetizismus. 

 

Zweckfreie Provokation

 

Wenn Liturgie auch eine eschatologische Dimension hat und einen Vorgeschmack kommender Herrlichkeit ermöglichen will, dann braucht es bestimmte Ausdrucksformen: Sie erfordert eine Sprache, die verständlich, aber nicht banal, edel, aber nicht alltäglich ist. Sie hat sich in Zeichen auszudrücken, die zugleich enthüllen und verhüllen; die den ganzen Menschen ansprechen und ergreifen können. Damit Liturgie schön ist, muss sie als Feier begangen werden, die einen Einbruch in und einen Ausbruch aus dem Alltag erlaubt. Ein Fest, das frei von Verzweckung und Leistungsforderung ist. So kann Liturgie nicht nur vermeintlich überflüssiges Gepränge haben, sondern selbst als „verschwenderischer Luxus“ gesehen werden, der in Zeiten überbordender Sachlichkeit und Kosten-Nutzen-Denkens geradezu eine Provokation darstellt. 

 

Liturgie muss in jeder Sprache verständlich sein, sie darf nicht banal sein,  edel aber nicht alltäglich.

 

Liturgie muss keinen Zweck haben, hat aber sehr wohl dennoch, oder gerade deswegen einen Sinn. Das haben Liturgie und Kunst gemeinsam. Im Gottesdienst bedient man sich aber auch der schönen Künste wie Musik, Malerei oder Kirchenbau, um Schönheit zur Entfaltung zu bringen. Mit dem Spiel hat schöne Liturgie gemein, dass sie als Verschwendung von Zeit erscheint, die jeder Nützlichkeitserwägung trotzt, und einfach Zeit bietet, um zu sich, zum Nächsten und letztlich zu Gott zu kommen. All das erfordert Können und (Ein-)Übung, eine ars celebrandi, nämlich die Kunst Gottesdienst zu feiern. Und zwar nicht nur vom Priester, sondern von allen Mitfeiernden. 

 

Letztlich ist Schönheit im Gottesdienst nicht „machbar“, sondern verlangt Offenheit, Empfänglichkeit des Menschen, der „liturgiefähig“ und somit imstande sein muss, die Schönheit der Liturgie zu genießen. Schöne Liturgie muss zuallererst Platz machen: damit nicht nur Gottesdienst, sondern wirklich Gott gefeiert wird. 

 

 

 

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