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Das Leben ist schön!

Schönheitsideale sind kulturell konstruiert

Warum strebt der Mensch nach dem Schönen? Und wie kann er „gemachte“ Ideale vom wahrhaft Schönen unterscheiden? Ein „miteinander“-Gespräch mit der Philosophin Cornelia Bruell.

Interview von Stefan Huber

Fashion runway out of focus. The blur background.

Wie kommt es, dass Schönheit so im Zentrum unserer Träume, Sehnsüchte und Glücksfantasien steht? Mit Platon könnten wir sagen, dass wir nach dem Schönen streben, weil es mit dem Guten und Wahren in Verbindung steht. Eros, die Liebe, strebt und wirkt dort „Zeugung und Geburt im Schönen“. Wir alle, so die These, gehen mit etwas schwanger, das kann zum Beispiel auch ein Gedanke sein. Diesem wollen wir zur Geburt verhelfen, dafür brauchen wir aber ein Gegenüber. Dieses Wahre in uns will aber nicht im Hässlichen gebären, daher sind wir immer auf der Suche nach dem Schönen im anderen. Das kann auch geistig verstanden werden. Man kennt ja auch den Begriff der „schönen Seele“. Das ist ein romantisches Bild, könnte aber dennoch die Sehnsucht gut erklären. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass ja viele Schönheitsideale kulturell konstruiert sind und sich die Sehnsucht auch auf das Erreichen dieser Konstruktionen richten kann.

 

Welchen Stellenwert nimmt Schönheit in der Philosophie ein? Die Frage nach dem Schönen spielt seit der Antike eine große Rolle. Aristoteles prägte den Begriff der „kalokagathia“ – des „Schönguten“ – als die körperliche und geistige Vollkommenheit. Bis zur Neuzeit wurde das Schöne mit Symmetrie und Harmonie in Verbindung gebracht und schließlich vom Erhabenen unterschieden, das die andere Seite, das Chaos, das Unfassbare, die Unordnung oder das Gewaltige von Naturereignissen umfasst. Im 20. Jahrhundert verliert die Kategorie des Schönen an Bedeutung, weil z.B. auch in der Kunst auf das Wahre, das Ungeschönte und das Hässliche gesetzt wird. Der Philosoph Byung-Chul Han versucht heute den Begriff des Schönen in „die Errettung des Schönen“ zu rehabilitieren und führt das Schöne gegenüber dem Glatten in der heutigen Smartphone-Gesellschaft ins Treffen. Der Begriff hat viele Wandlungen durchgemacht, das Interesse war aber immer groß.

 

Gibt es so etwas wie eine objektive Schönheit oder ist es eine Frage der Gewohnheit, was wir für schön halten? Hier gehen die Meinungen ziemlich auseinander. Zudem kommt es darauf an, welchen Begriff von Schönheit man hat. Verbindet man Schönheit mit Symmetrie oder dem goldenen Schnitt, dann könnten wir auch psychologisch und sinnlich argumentieren, dass der Hang des Menschen zu ihr veranlagt ist. Philosophisch betrachtet ist das eher kontrovers. Denn was als schön bewertet wird, ist natürlich kulturell und historisch bedingt. 


Weshalb sind wir durch Schönheit so stark manipulierbar? Sind wir das? Ich glaube eher, wir sind durch das oben genannte Konstrukt des Ideals manipulierbar, dessen notwendiges Begehren uns natürlich auch systematisch vermittelt wird. Immerhin handelt es sich hier um ein großes Geschäft. Wenn ich mit Kindern im Kindergartenalter philosophiere und ich frage sie: was ist das Gegenteil von schön? Dann antworten sie in den seltensten Fällen: hässlich. Ihr Begriff des Schönen ist noch kein rein visuell ästhetischer, sondern eher einer, der mit Wohlempfinden in Verbindung steht. Das Gegenteil von schön ist bei ihnen: blöd! Warum? Weil es eben den Zustand beschreibt, wenn sich etwas nicht gut anfühlt. Visuelle Schönheitsideale haben sich hier noch nicht eingeschrieben.

Dr. Cornelia Bruell ist praktizierende Philosophin und seit 2016 Geschäftsführerin von PHILOSKOP (Griechisch für „Liebe zur Betrachtung“). Dort bietet sie unter anderem philosophische Wanderungen, Einzelgespräche, Philosophieren mit Kindern und einen philosophischen Salon an. 

www.philoskop.org

 

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