Mag. Lukas Cioni
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Im Vorbeigehen ist das Kloster der Klarissen nicht gleich als solches auszumachen und leicht zu übersehen. Ganz unauffällig fügt es sich in den Häuserblock in der Gartengasse im fünften Wiener Gemeindebezirk ein. Auch kein Kirchturm verrät, was sich hinter den Mauern verbergen könnte. Auf einen zweiten Blick jedoch lässt sich erahnen, dass sich hinter der Tür das zum Kloster gehörige Gotteshaus befindet. Über dem Eingang ist die Einladung "Kommet, lasset uns anbeten!" zu lesen. Illustriert wird dies im Stock darüber durch ein Mosaik, das Engel zeigt, die vor dem ausgesetzten Allerheiligsten anbetend knien.
Die "Visitenkarte" des Klosters bekommt der Besucher somit gleich auf der Straße in die Hand gedrückt. So unscheinbar und dezent wie das Kloster, so ist auch der Lebensstil der dort lebenden Schwestern. Zurückgezogen in Klausur, haben die Klarissen die Anbetung des in der Monstranz usgesetzten Leibes Christi zur Hauptaufgabe ihres Lebens gewählt. Dieser Auftrag ist so zentral, dass ihn die Gemeinschaft auch in ihrem Namen trägt: Klarissen von der Ewigen Anbetung.
Im beharrlichen, unablässigen Gebet vor dem Allerheiligsten, das in der Kirche auf einem Thron am Hochaltar steht, wechseln sich die Schwestern ab und verbringen so gemeinsam Tag und Nacht vor Jesus in der Gestalt des Brotes. "Anbetung im Geist der Danksagung und Freude", erklärt Sr. Maria Magdalena, die seit 26 Jahren in Wien lebt. Die Freude, von der sie in diesem Zusammenhang spricht, strahlt auch sie selbst aus. Sie und ihre Oberin, Sr. Maria Rafaela, geben zwar zu, dass das Leben, für das sie sich entschieden haben, auch immer wieder herausfordert und "man wirklich berufen sein muss", sie fügen aber im gleichen Satz hinzu: "Man bekommt von Jesus viel mehr zurück als man gibt."
Daniel Podertschnig